Eiskapelle in der Sonne

Der Tag begann schon sehr verheißungsvoll, als beim Blick aus dem Fenster die Sonne zwischen den Bäumen wirklich strahlte. Es hatte sich angekündigt und es wurde ein schöner, warmer Tag mit viel blauem Himmel im Berchtesgadener Land. Nach der Umkehr am Hohen Brett tags zuvor, wollte ich heute endlich einmal zur Eiskapelle. Dieses Naturgebilde hatte ich die letzten Jahre einfach links liegen lassen und hatte es nie irgendwie in meiner Planung. Diese fast unverzeihliche Nachlässigkeit galt es nun an dem schönen Tag zu korrigieren.

Traumhaft - Wiese, Wald, Berge und blauer Himmel
Traumhaft – Wiese, Wald, Berge und blauer Himmel

Die Fahrt über den Königssee von der Seelände bis St. Bartholomä verlief wie erwartet, inkl. kurzem Halt an der Echowand und unterhaltsamen Geschichten und Erklärungen der Schiffsbesatzung. An Bartholomä angekommen, genoß ich die satten Farben; das Hellgrün der Wiese, das Dunkelgrün der Bäume, das Grau der Berge und das Blau des Himmels. Mein Weg führte mich an jener hellgrünen Wiese entlang in den Wald, wo ich dann nach links abbog und in Richtung Eisgraben wanderte.
Nach gut 20 Minuten überquerte ich eben jenen Eisgraben, an dem man nach einer anstrengenden Wanderung prima die heißen Füße kühlen kann, passierte die kleine Kapelle „Johann und Paul“ und folgte dem Weg weiter, der nun deutlich anstieg.

Geröllfeld vor dem Eisfeld der Eiskapelle
Geröllfeld vor dem Eisfeld der Eiskapelle

In weiten Kehren zog der Weg nach oben durch den Wald und nach rund 50 Minuten hat man das erste Mal das Ende des Tales im Blick. Die Eiskapelle versteckte sich von dort aus allerdings noch hinter kleinen Ausläufern des Watzmannes. Das Eisfeld kam erst einige Minuten später ins Blickfeld, nachdem ich bereits den befestigten Weg verlassen hatte. Trotz der Warnschilder und des schwierig zu gehenden, weil felsigen Geländes, sind immer wieder Touristen nur in Sandalen unterwegs.
Da die Eiskapelle beliebt ist, gibt es etliche ausgetretene Pfade, an denen man sich orientieren kann. Immer wieder muss man sich aber seinen Weg über die Felsen und Steine suchen. Je nach Jahreszeit führen die Bäche dort entsprechend viel oder wenig Wasser; man muss sich auch dort nach geeigneten Stellen umschauen, die passierbar sind, was zum Teil auch nicht ungefährlich ist.

Öffnung der Eiskapelle
Öffnung der Eiskapelle

Nachdem man das Wasser überquert hat, liegt das Schneefeld mit der Eiskapelle vor einem; man benötigt aber noch rund 10-15 Minuten, bis man näher dran ist. Dazu habe ich mich links gehalten, da rechts der Eisgraben fließt und eventuell auch noch überquert werden müsste. An diesem Tag waren zum Glück nur wenige Wanderer unterwegs und so hatte ich tatsächlich ein paar Minuten die Eiskapelle ganz für mich allein und konnte in genügendem Abstand von den überhängenden Schneerändern eine Rast in der Sonne einlegen.
Auch wenn es verlockend war, in die Eiskapelle zu gehen, war mir doch etwas mulmig zu mute, da bei hochsommerlichen Temperaturen nicht einzuschätzen ist, ob und wann wieder Schnee und Eis abbrechen werden.

So habe ich die Sonne und den Anblick der Eiskapelle in sicherem Abstand genossen, bevor ich langsam den Rückweg nach St. Bartholomä antrat.

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