Eishöhle im Regen

Mein vorletzer Wandertag brach an und es regnete schon wieder. Auf Empfehlung meiner Pensionswirtin beschäftigte ich mich beim Frühstück mit der Schellenberger Eishöhle und der Toni-Lenz-Hütte, da der Weg die meiste Zeit durch den Wald führt. Und ist man in der Eishöhle, kann es schließlich draußen so viel regnen wie es will. Auf der Hütte war ich als Kind einmal, genaue Erinnerungen daran habe ich aber nicht mehr. Also warum nicht nachschauen, ob die Erzählungen meiner Mutter stimmen, dass es sehr anstrengend gewesen sei?

Waldweg zur Toni-Lenz-Hütte
Waldweg zur Toni-Lenz-Hütte

Die Bundesstraße 305 führte mich von Berchtesgaden bis kurz hinter Marktschellenberg zum Wandererparkplatz der Schellenberger Eishöhle. Man muss ein Stück zurückgehen, die B305 queren und beginnt die Wanderung direkt im Wald. Der Forstweg steigt schon früh ganz ordentlich an und behält diese Steigung auch lange bei. Es stimmt also, dass es anstrengend ist. Aber zum Glück nicht den ganzen Weg, wie ich letztlich feststellen durfte.
Während ich Meter mache, kann ich links unter mir immer mal wieder erst den Bachgraben, später den Lochgraben sehen. In beiden Bächen plätschert Wasser gen Tal und das Geräusch begleitet mich eine ganze Zeit lang.

Erst spät sichtbar, die Toni-Lenz-Hütte
Erst spät sichtbar, die Toni-Lenz-Hütte

Nach verlassen der Forststraße bin ich auf einem typischen bergigen Wanderweg unterwegs, bei dem man gerade im ausdauernden Nieselregen bei einigen Wurzeln und Steinen schon aufpassen muss, wohin man tritt.
Im Gegensatz zu anderen Touren ist der Aufstieg zur Toni-Lenz-Hütte ein wenig demotivierend, da man die Hütte erst fast ganz zum Schluss zu sehen bekommt. Man hat also beinahe die ganze Zeit kein Ziel vor Augen, an dem man sich in Atempausen aufrichten kann. Erblickt man sie, ist es aber wirklich nicht mehr weit; man muss nur noch ein paar Serpentinen durch die Kiefern hinter sich bringen und steht vor der Hütte.

Eingangsbereich der Schellenberger Eishöhle
Eingangsbereich der Schellenberger Eishöhle

Die Schellenberger Eishöhle ist gut 15-20 Minuten entfernt und wird von ehrenamtlichen Helfern betreut. An sonnigen Sommertagen stauen sich hier die Massen der Besucher und man muss schon einige Wartezeit einkalkulieren, da nicht all zu viele Personen auf einmal in die Höhle können. Am heutigen Tag bin ich jedoch komplett alleine und ich bin dankbar, dass ich trotzdem eine Führung bekomme. Man sollte unbedingt noch eine Jacke oder einen Pulli mitnehmen, da es in der Höhle nur rund 5 Grad hat.
Der Eingang zur „Vorhöhle“ ist ein Schneefeld, übr das man zur eigentlichen Eishöhle gelangt. Eine fest installierte, eiserne Wendeltreppe führt hinunter ins Eis, vorbei an einem Eisvorhang, der zu besseren Zeiten komplett geschlossen war. Die Klimaerwärmung hinterlässt leider auch hier ihre sehr deutlichen Spuren.

Ins Eis geschlagene Trittstufen in der Eishöhle
Ins Eis geschlagene Trittstufen in der Eishöhle

Unten in der Höhle erzählt mir mein Führer, was für ein Aufwand jedes Jahr getrieben wird, um die Höhle für Besucher zugänglich zu machen. Zu Saisonbeginn werden in mühsamer Handarbeit die Wege und Stege in der Eishöhle von 2-3 Personen in zweiwöchiger Arbeit wieder hergerichtet und ins Eis geschlagen.

Das Eis funkelt im Schein unseres Lichtes und zeigt die faszinierenden Schichten und Farben. Die Gänge sind fast alle wunderschön gerundet, was durch den Atem der vielen Besucher so gekommen ist.
Als ich nach rund 30 Minuten die Höhle verlasse, kommt mir der Nieselregen draußen geradezu warm vor. Trotzdem lege ich in der Toni-Lenz-Hütte eine Mittagspause ein, um mich bei einer Kaspressknödelsuppe gründlich aufzuwärmen, bevor ich wieder absteige.
Unten am Auto kommt dann doch noch die Sonne durch und ich kann meine nassen Sachen ein ein wenig trocknen lassen.

 

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