Ein hartes Brett

Wenn mich etwas wurmt, dann sind es Touren, die ich aufgeben oder abbrechen musste. Das lässt mir keine Ruhe und der Gipfel oder die Wanderung landet regelmäßig wieder auf der Liste während meiner Vorplanungen. Einer dieser Gipfel ist das Hohe Brett, wo ich drei Jahre zuvor im Nebel vorsichtshalber umgekehrt bin. Diesmal sollte das Brett bezwungen werden!

Blick zurück zum Jenner mit Watzmann im Hintergrund
Blick zurück zum Jenner mit Watzmann im Hintergrund

Der Morgen begann wieder einmal sehr verheißungsvoll; strahlend blauer Himmel, kräftiger Sonnenschein und dadurch jede Menge Motivation. Vom Großparkplatz am Königssee ging es mit der Jennerbahn hinauf bis zur Bergstation am Jenner. Dort folgte ich hinter den Gebäuden dem Weg bergab, der zum Schneibsteinhaus und zum Carl-von-Stahl-Haus auf österreichischer Seite führte. Während des Wegs hinab vom Jenner passten Wetter und Umgebung für mich einfach perfekt zusammen; sattes Grün der Wiesen und Bäume mit dem kräftigen Blau des Himmels.
Das Stahl-Haus war nach gut einer halben Stunde erreicht und der Anstieg zum Hohen Brett begann direkt dahinter.

Trittstufen beim Aufstieg zum Hohen Brett
Trittstufen beim Aufstieg zum Hohen Brett

Man beginnt auf einem sehr schmalen Trampelpfad, der durch geduckte, aber dennoch mannshohe Kiefern führt. Kurz danach öffnete es sich und ich erklomm den Wiesenhang in Kehren auf dem ausgetretenen Weg.
Nach dem ersten Anstieg tauchte in Sichtweite, und über teils abwärts, teils eben führenden Pfad, auch schon die erste interessante Stelle auf, die mitten durch die Felsen führte. Einige, relative neue, Trittstufen waren hier auf dem Weg angebracht worden, um das Vorankommen der Wanderer zu erleichtern. Jede normale Treppe in einem Haus ist steiler, als diese „liegenden Leitern“, nur der Abstand der Stufen ist weiter.

Rechts des Aufstiegsweges hat man immer wieder einen guten Tiefblick in das angrenzende Bluntautal in Österreich. Von dort pfeift oftmals ein kühler Wind über den Kamm, auf dem man zum Hohen Brett hinaufwandert. 2010 kamen von dort die Wolken hoch, die mir ein Weitergehen zu unsicher machten. Dieses Jahr kamen die Wolken von oben.

Es dauerte einige Zeit, aber nach und nach füllte sich der Berg über mir mit großflächigen, weißen Wolken. Auch wenn es von weitem sehr hübsch aussah, wenn ma erst einmal drin ist, kann es unangenehm werden. Vom Gefühl her war ich noch ein gutes Stück weiter unten als drei Jahre zuvor, als ich keine weiteren Wegmarkierungen mehr finden konnte. Da ich nicht erneut aufgeben wollte, legte ich also eine Rast ein und hoffte auf einen schnellen Abzug der Wolken. Nach einer halben Stunde in der Feuchte des Nebels und keiner augenscheinlichen Verbesserung der Lage, stand fest, dass es auch dieses Jahr nichts wird. Ohne die Wegmarkierungen zu sehen, hat es keinen Sinn, weiterzugehen.

Engstelle auf 1.900m Höhe
Engstelle auf 1.900m Höhe

So begann mein Abstieg viel früher als gedacht. Dadurch konnte ich mich verstärkt auf die vielen Fotomotive konzentrieren, die sich am Rande des Weges anboten.
Auf dem Rückweg konnte ich, schon bald wieder in schönstem Sonnenschein, noch einmal ein Foto von der Engstelle machen, an der man vorbei muss. Von oben sieht sie deutlich weniger unangenehm aus als während des Aufstiegs.  Ein sicherer Tritt und ein fester Griff sind aber trotzdem notwendig, um sich nicht leichtfertig in kleine Gefahr zu bringen.

Dieses Mal wanderte ich auch nicht hinunter zur Mittelstation oder stieg zum Königssee ab. Ich wanderte wieder hinauf zum Jenner und fuhr nach einer ausgiebigen Pause in der Sonne ganz entspannt mit der Jennerbahn wieder hinab zum Parkplatz.

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.